ETF - Exchange Traded Funds
ETFs - wirklich als langfristiges Buy-and-hold-Investment geeignet?
Gerade Anleger, die aktiv gemanagten Fonds aufgrund ihrer laufenden Kosten skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, kommen auf die Idee, in (börsengehandelten) Indexfonds ein Buy-and-Hold-Investment zu sehen, das, vor dem Stichtag der Abgeltungsteuer gekauft, langfristig steuerfreie Kursgewinne bringen soll. Diese Strategie hat gegenüber aktiv gemanagten Fonds nicht nur den Vorteil geringerer Kosten, sondern auch geringerer Abhängigkeit vom Management.
Es ist dennoch vom ETF-Einsatz als langfristiges Buy-and-hold-Investment abzuraten. Passiv auf einen Index zu setzen, also dessen Wertentwicklung in beide Richtungen eins zu eins mitzumachen, ist zeitweilig attraktiv. Ein gutes Beispiel war der deutsche Aktienmarkt im letzten Jahr: Nur wenige Fonds konnten mit dem DAX mithalten. Langfristig aber ist die Koppelung an einen Aktienindex gefährlich: Jede Baisse macht man ungebremst mit. Und es kann lange dauern, diese Verluste wieder aufzuholen: Bekanntlich tut sich der DAX sehr schwer, sein Hoch vom März 2000 zu überschreiten. Gute, aktiv gemanagte Fonds haben bis 2003 weniger verloren und in der Kurserholung längst neue Rekordhöhen erreicht.
Und auch die Gefahr einer langen Seitwärtsbewegung von Aktienindizes wird unterschätzt, weil es das seit 1982 nicht gab. Zuvor aber, in den 1970er Jahren, pendelten die wichtigsten Aktienindizes zehn Jahre lang, unter zeitweilig heftigen Schwankungen, seitwärts. In diesem Umfeld konnten aktive Stockpicker (z.B. Templeton) attraktive Ergebnisse erzielen. Passive Indexinvestoren hätten dagegen noch nach zehn Jahren ohne Gewinn dagestanden.
Ferner sollte man bedenken, dass man mit Indexinvestments systematisch prozyklisch investiert: Aktien, deren Börsenwert zuvor stark gestiegen ist, werden in den Index aufgenommen bzw. innerhalb des Index höher gewichtet. Manche Aktienindizes werden faktisch von wenigen populären Aktien dominiert. Bei internationalen Aktienindizes wie dem MSCI-Welt gilt Entsprechendes für die Ländergewichtung: Vor Beginn der langen Baisse in den 90er Jahren war der Anteil Japans auf rund 50 % gestiegen.
Fazit: ETFs, insbesondere Aktienindexfonds, sind ein attraktives Instrument für Investoren, die aktiv Timing-Entscheidungen kostengünstig umsetzen wollen, beispielsweise Dachfondsmanager.
Privatanleger, die Indexfonds als Buy-and-hold-Investment kaufen, könnten in eine Falle laufen.
Verfasser: Björn Drescher, Drescher u. CIE. GmbH
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