Mitteilung vom 17.12.2009


Doppeltes Spiel bei der TÜV-Zertifizierung

FRANKFURT - Bei der Zertifizierung von Software zur Altersvorsorgeberatung durch den TÜV Nord bestand über Jahre hinweg ein erheblicher Interessenkonflikt. Die Redaktion von Portfolio international deckte auf, dass einer der Hauptakteure in diesem Zertifizierungsverfahren, Wolfgang Drols, bis zum Sommer 2009 an der Suretec Systems GmbH beteiligt war, die solche Software herstellt und bislang der einzige Anbieter von Programmen für die Altersvorsorgeberatung ist, der über ein Zertifikat des TÜV Nord verfügt.

Wolfgang Drols berät – nach eigenen Aussagen ehrenamtlich – den TÜV Nord. Von dessen Tochtergesellschaft, der TÜV Informationstechnik GmbH, wird die Zertifizierung von Beratungsprogrammen vorgenommen. Sie arbeitet dabei mit dem Verein Kubi – Konzeptentwicklungs- und Beratungs-/Innovationswerkstatt der Assekuranz und Finanzdienstleister e. V. zusammen. Die Prüfung wird auf der Grundlage des Referenzrechenwerkes des Kubi e. V. vorgenommen.

Der Verein Kubi ist eine Initiative des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute, und Drols ist stellvertretender Vorsitzender dieses Vereins. Vorstände von Softwarefirmen, die das Zertifizierungsverfahren des TÜV Nord erlebt haben, wurden bei Fachfragen in der Regel an Kubi verwiesen. „Der TÜV nutzt Kubi für die fachliche Sicherheit, Kubi ist uns immer in Person von Dr. Drols gegenübergetreten“, äußerte sich der Chef eines Softwareanbieters, der nicht genannt werden wollte.

Es gab in der Branche seit einiger Zeit Gerüchte, dass Verflechtungen zwischen Drols und der Suretec bestehen. Das wurde seitens der Suretec-Geschäftsleitung jedoch offiziell dementiert. Auch Wolfgang Drols wiegelte auf Nachfrage von Portfolio international ab: „Beim TÜV Nord werden die Softwareprüfungen von TÜV-eigenen Prüfern durchgeführt. Ein ausgeklügeltes Prüfsystem reduziert die Wirkung von möglichen Interessenkonflikten auf ein Minimum“, erklärte er gegenüber Portfolio international. Das alles sagt aber nichts darüber aus, inwieweit im Vorfeld der Zertifikatsausstellung Einfluss auf die Prüfung genommen werden kann. Der Verein Kubi und damit auch Wolfgang Drols bestimmen nämlich die Art und Weise der Prüfung mit.

Der Redaktion von Portfolio international liegen umfangreiche Details über die Beziehung von Drols zur Suretec Systems vor. So erwarb er am 19. März 2002 von der Muttergesellschaft Suretec Holding GmbH durch einen Kauf- und Abtretungsvertrag einen Teilgeschäftsanteil im Nennbetrag von 5.000 Euro, was einem Anteil von 20 Prozent an der Gesellschaft entsprach. Mit derselben notariellen Urkunde wurde dieser Geschäftsanteil jedoch sofort wieder an die Suretec Holding GmbH abgetreten und ein Treuhandverhältnis begründet. Auf diese Weise tauchte der Name Wolfgang Drols nicht im Handelsregister auf. Portfolio international bat ihn um eine Stellungnahme, warum er nicht auf diese eigentumsrechtliche Verflechtung aufmerksam gemacht hat. In seiner umfangreichen Antwort ging er jedoch mit keinem Wort auf seine Beteiligung ein.

Stattdessen schickte Drols einen Schriftsatz des Rechtsanwaltes Bernhard Schölwer mit, worin dieser die Beteiligungsverhältnisse der Suretec-Gruppe erläutert. Schölwer hält treuhänderisch die Anteile an der Suretec Holding GmbH. Darin erklärt der Anwalt, dass Drols nicht zum Gesellschafterkreis der Suretec-Gruppe gehört. Das ist auch richtig, weil es in diesem Sommer eine Veränderung im Gesellschafterkreis der Suretec Systems gab. Ab der Eintragung im Handelsregister zum 16. Juli 2009 hält nun Graziela Wolschendorf Geschäftsanteile in Höhe von 5.000 Euro und 1.250 Euro Nennbetrag.

Damit liegt die Vermutung nahe, dass der Anteil von 5.000 Euro eben jene Beteiligung war, die Drols im Jahr 2002 erworben und sofort zur treuhänderischen Verwaltung an die Holding übergeben hatte. In dem Schreiben von Anwalt Schölwer wird zudem eingeräumt, dass Wolfgang Drols in den Aufbaujahren der alleinige Finanzier der Suretec-Gruppe war. Um die Forderungen abzusichern, sei ein komplexes Vertragswerk konzipiert worden, dass Drols im Notfall einen direkten Eingriff erlaubte. Diese Rechte seien mittlerweile erloschen. Von all diesen Zusammenhängen hat der TÜV Nord entweder keine Kenntnis gehabt oder sich darüber hinweggesetzt. Unternehmen, die eine Zertifizierung anstrebten, mussten, ohne es zu ahnen, den Einblick eines Konkurrenten in ihre Software in Kauf nehmen.

Autor: portfolio international © portfolio international

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