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Investmentfonds-Hitlisten - Objektive Information oder Verwirrung für den Anleger?

Hitlisten von Investmentfonds, wie sie regelmäßig in verschiedenen Wirtschaftszeitschriften (z.B. DAS WERTPAPIER, FINANZEN Investmentfonds etc.) veröffentlicht werden, erfreuen sich bei den Anlegern großer Beliebtheit. Immer wieder werden wir als professionelle Finanzdienstleister von Kunden gefragt, warum wir nicht einen bestimmten Fonds empfehlen, obwohl er Spitzenplätze in den Hitlisten einnimmt. Anlass genug, sich einmal intensiver mit dem Nutzen solcher Hitlisten kritisch auseinander zu setzen.

Die Vorgehensweise solcher Ranglisten ist stets die gleiche: Investmentfonds werden aufgrund ihres Anlageschwerpunktes in eine bestimmte Kategorie eingeordnet (z.B. Aktienfonds Schwerpunkt Deutschland, Rentenfonds weltweit anlegend etc.) und innerhalb dieser Kategorien erfolgt ein Ranking der Fonds aufgrund ihrer Vergangenheitsperformance (z.T. für verschiedene Anlagezeiträume), teilweise ergänzt durch ein oder mehrere Risikokennzahlen. Auch wenn eine solche Vorgehensweise durchaus plausibel klingt, liegt das Hauptmanko dieser Hitlisten in der Zuordnung einzelner Fonds zu den Fondskategorien.

Nehmen wir als Beispiel den Allianz Flexi-Rentenfonds (WKN 847192): Dieser Fonds erscheint seit einiger Zeit in den Rankings der FINANZEN Investmentfonds für das laufende Jahr auf Platz 1 in der Kategorie "Rentenfonds (weltweit anlegend)", in der Zeitschrift DAS WERTPAPIER belegt er in der Kategorie "Renten Europa" den ersten Rang im 5-Jahresvergleich sowie jeweils den zweiten Platz im Ein- und Drei-Jahreszeitraum. Dies war für die Zeitschrift DAS WERTPAPIER Anlass genug, den von Anja Mikus gemanagten Allianz Flexi-Rentenfonds, zum Titelthema (Ausgabe 10/98) zu erheben und dessen "Leistungen" umfassend zu würdigen.

Warum aber können wir diesen Fonds nicht empfehlen? Nun, bei genauer Betrachtung des Verkaufsprospektes stellt sich heraus, dass dieser "Rentenfonds" bis zu 25 % in Aktien investieren darf und auch in der Vergangenheit tatsächlich bis knapp an diese Grenze heran in (europäischen) Aktien investiert war.

"Ist es denn dann überhaupt ein Rentenfonds?", werden Sie jetzt zu recht fragen. Die Antwort dazu ist "Jein", denn es gibt leider keine eindeutige Definition eines "Rentenfonds". Weder das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BaKred), das für die Zulassung von Fonds in Deutschland verantwortlich ist, noch der Bundesverband deutscher Investmentfonds (BVI), dessen BVI-Statistiken Grundlage für die Eingruppierung in vielen Fachzeitschriften sind, konnte hierzu etwas konkretes sagen. Nur wenn ein auffälliges Missverhältnis zwischen der Fondsbezeichnung und der tatsächlichen oder laut Prospekt erlaubten Anlagepolitik bestünde, würde dagegen Einwand erhoben. Ob dies aber in einem "Rentenfonds" bei einem Anteil von 25%, 40% oder gar 49% Aktien der Fall ist, darüber war keine klare Aussage zu bekommen. Bei den BVI-Statistiken wird die Eingruppierung von den Fondsgesellschaften(!) selbst vorgenommen, insofern ist der Verdacht, dass sich einige Fondsgesellschaften durch "Etikettenschwindel" vordere Plätze in den Hitlisten erkaufen, nicht von der Hand zu weisen. Der BVI hat dieses Problem mittlerweile auch erkannt und bemüht sich, für das nächste Jahr klarere Abgrenzungskriterien vorzulegen.

Sicher ist jedenfalls, daß der Allianz Flexi-Rentenfonds nicht vergleichbar ist mit Rentenfonds, die ausschließlich in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Da in den letzten Jahren europäische Aktien deutlich höhere Wertzuwächse erzielt haben als Renten, muß der Allianz Flexi-Rentenfonds beinahe zwangsläufig besser abschneiden als ein reiner Rentenfonds. Ein Vergleich mit einem europäischen Rentenindex, wie ihn beispielsweise auch die Zeitschrift DM in der Ausgabe März 98 (Seite 28) vorgenommen hat, hinkt deshalb.

Es zeigt sich also, dass der Allianz-Fonds im Vergleich zum Index sogar unterdurchschnittlich abgeschnitten hat (übrigens ein Ergebnis, zu dem die Allianz in einer internen Studie, erschienen in einer Broschüre nur für Mitarbeiter, auch kommt). Anders ausgedrückt: Ein Anleger, der sein Geld zu 75% in einen durchschnittlichen europäischen Rentenfonds und zu 25 % in einen durchschnittlichen europäischen Aktienfonds investiert hatte, war besser bedient als mit einer Investition in den Allianz-Fonds.

Was lernt der private Fondsanleger daraus? Anlageentscheidungen ausschließlich an den Hitlisten der Zeitschriften auszurichten, ist zu oberflächlich, denn viel zu häufig werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Neben dem ausführlich behandelten Allianz Flexi-Rentenfonds ließen sich zahlreiche andere Beispiele nennen (z.B. der Adig Plusfonds, der in Finanzen Investmentfonds regelmäßig im Vordertreffen der Mischfonds erscheint, aber nahezu ausschließlich in deutsche Aktien investiert). Nur eine intensive Analyse eines Fonds im Hinblick auf seine tatsächliche Anlageausrichtung, dessen Anlagemöglichkeiten laut Verkaufsprospekt, Vergangenheitsperformance im Vergleich zu passenden Referenzindizes, Fondsmanagement etc. erlauben eine vernünftige Beurteilung der Qualität eines Fonds. Wir als professionelles Beratungsunternehmen im Fondsbereich führen laufend solch tiefgreifende Analysen durch und sind überzeugt, dass unsere Fondsempfehlungen häufig besser sind, als das, was in den Hitlisten vorne steht und von den "Fachzeitschriften" ins Rampenlicht gerückt wird.

Auch bei korrekter Eingruppierung eines Fonds reicht ein Blick in Hitlisten nicht aus. Denn es ist stets zu hinterfragen, ob bspw. eine gute Asset Allocation als Leistung des Fondsmanagements zu werten ist oder nur zufällig "gut" war, weil die Anlagerichtlinien des Fonds eine bestimmte Ausrichtung vorgeben. Als Beispiel hierzu sei abschließend der Postbank Dynamik Global genannt. Dieser war u.a. Sieger des DM/Micropal-Award ´97 in der Rubrik "Aktien international" und belegte bei FINANZEN (01/98) Platz 1 in der Kategorie Aktienfonds (weltweit anlegend). Er profitierte jedoch eindeutig davon, dass er aufgrund seiner Anlagerichtlinien einen Anlageschwerpunkt in deutschen Aktien (ca. 50%) vornimmt und Deutschland eine höhere Wertentwicklung als die Weltaktienmärkte hatte. Ansätze, die Kategorisierung von Fonds klarer zu definieren, sind sicher lobenswert und werden künftig für eine tendenziell höhere Marktransparenz sorgen. Eine sorgfältige Analyse kann aber auch dann der Blick in eine Hitliste nie ersetzen.