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Branchenfonds - und Ihr Risiko!

Die Globalisierung der Märkte und die zuletzt überdurchschnittlichen Wertzuwächse der Telemedien- und Technologie-Fonds sorgen für ein stark steigendes Interesse an Branchenfonds. In den Werbebroschüren der Fondsgesellschaften werden die überproportionalen Wachstumsaussichten dieser Branchen und die enormen Wertsteigerungen der Vergangenheit eindrucksvoll präsentiert. Damit wird die Gier nach höheren Ertragschancen geweckt und der Nerv vieler Anleger getroffen. Auf höhere Risiken von Branchenfonds wird in den Broschüren allerdings nur vereinzelt hingewiesen, und die entscheidende Frage, die sich jeder Investor vor der Anlage stellen sollte (egal ob Privatanleger, Fondsmanager oder Institution), wird vollkommen vernachlässigt: Wie wirkt sich das Investment auf das Gesamtdepot im Hinblick auf die Ertragschancen und die Risiken aus?

Seit der Gründung der AVL Finanzdienstleistungen (1997) haben wir etliche Depots analysiert und stellen seit jeher die gleichen Fehler fest, die immer wieder gemacht werden. Die Anleger investieren in Fonds, die Segmente enthalten, die schon über andere Fonds abgedeckt sind (es bilden sich "Sammelrisiken"). Außerdem haben Anleger häufig so viele Fonds in ihren Depots, dass sie den Überblick über ihr Portfolio verlieren. Dabei geht eine sinnvolle Chancen / Risiko-Struktur, nach der grundsätzlich jedes Depot optimiert werden sollte, in der Regel verloren.

Zunächst einmal sollte festgestellt werden, welcher Anteil des Gesamtkapitals langfristig im Aktienbereich investiert werden kann und wie viel konservativ angelegt werden sollte. Da die Aufteilung von den persönlichen Gegebenheiten abhängig ist, kann nur in einer individuellen Beratung geklärt werden, wie hoch der sinnvolle Anteil des Aktiensegmentes sein sollte. Im folgenden beschränken wir uns auf den Aktienbereich, da Branchenfonds grundsätzlich Aktienfonds sind.

Die Mittel, die zur langfristigen Anlage zur Verfügung stehen, sollten sowohl von der Ländergewichtung als auch von der Branchengewichtung eine sinnvolle Chancen / Risiko-Struktur aufweisen. Die Notwendigkeit einer möglichst breiten Risikostreuung ergibt sich aus der Erkenntnis, dass die Zukunft ungewiss ist und daher nicht verlässlich prognostiziert werden kann, in welchem Land oder in welcher Branche in Zukunft die besten Wertentwicklungen erzielbar sind. Daher sollte unserer Meinung nach ein Depot grundsätzlich weltweit gestreut sein. Bei der Branchenauswahl sollte dem Fondsmanager die Flexibilität eingeräumt werden, in sämtliche Branchen investieren zu können. Ein weiterer entscheidender Punkt ist es, dem Fondsmanager die Möglichkeit zu geben, in seinem Segment Mehrwerte durch gezielte Aktienauswahl schöpfen zu können.

Bei der Integration eines "In-Branchenfonds" wird bei fast jedem Depot auf mehrfache Art und Weise gegen diese Grundsatzregeln verstoßen. Um herauszufinden, ob sich in einem Depot "Sammelrisiken" gebildet haben oder die Fondsmanager überhaupt nicht mehr die Möglichkeit haben, Mehrwerte durch gezielte Aktienauswahl zu schaffen, ist eine sehr detaillierte Analyse des Depots notwendig. Betrachtet man die größten Positionen der Telemedien- und Technologie-Fonds, findet man mit AOL, AT & T, Cisco Systems, MCI Worldcom und Microsoft immer wieder die gleichen Aktien unter den zehn größten Positionen. Exakt die gleichen Aktien finden sich ebenfalls in jedem Amerika Fonds und sind auch hier sehr häufig unter den zehn größten Positionen vertreten. Von den europäischen Vertretern finden sich Mannesmann und Nokia fast in jedem "In-Branchenfonds" sowie in jedem europäischen Standardwertefonds.

Ein Blick in die größten Positionen der "In-Branchenfonds" verrät also, dass sich bei fast allen dieser Fonds nahezu ausschließlich Standardwerte im Depot befinden, die ein Regionalfonds ebenfalls im Depot hält. Der von vielen Anlegern erhoffte Vorteil, dass ein Fondsmanager, der sich auf die "In-Branchen" konzentriert, die chancenreicheren Aktien auswählen kann, sind also de facto nicht vorhanden. Dies verhindern in der Praxis alleine schon die eben aufgeführten enormen Fondsvolumina. Integriert man nun einen "In-Branchenfonds" in ein Depot, verschlechtert sich fast immer das Chancen/Risiko-Verhältnis. Das Risiko des Gesamtdepots erhöht sich deutlich, da die "In-Branchen" stark übergewichtet werden und sich etliche Aktien mehrfach im Depot befinden. Daher raten wir grundsätzlich von Technologie-, Telemedien- und Telekommunikationsfonds ab. Die gleiche Argumentation trifft auf Multimedia-, Software-, Pharma-, Finanzwerte- und fast alle Themenfonds zu, von denen wir ebenfalls abraten.

Interessanter ist die Betrachtungsweise bei Internet- und Biotechnologie-Fonds. Es gibt immer noch etliche Amerika-Fonds, die mit der Ausnahme von AOL keine Internet-Aktien im Depot halten. Dies liegt daran, dass sich viele Fondsmanager weiterhin schwer tun, Aktien zu kaufen, die noch Verluste schreiben. Da 80 % der Internet - Börsenkapitalisierung in den USA notieren und die meisten Amerika-Fonds Internet-Aktien nicht hinreichend berücksichtigen, kann es durchaus sinnvoll sein, einen Internet-Fonds in das Depot zu integrieren. Sinnvoller ist jedoch in der Regel, den bestehenden Amerika-Fonds zu verkaufen und in einen Amerika-Fonds zu tauschen, dessen Fondsmanager dem Medium Internet offen gegenüber steht.

Anders sieht die Betrachtungsweise in der Branche Biotechnologie aus. Wie auch das Internet wird die Biotechnologie von amerikanischen Unternehmen dominiert. Daher konzentrieren wir uns wieder auf den amerikanischen Markt. Betrachten wir die Aktienengagements der amerikanischen Regionalfonds, stellen wir fest, dass so gut wie keine Biotech-Unternehmen in den Depots enthalten sind. In den Depots befinden sich lediglich klassische Standardwerte der Pharma-Branche wie Merck und Pfizer. Wenn überhaupt in Biotech-Unternehmen investiert wird, handelt es sich in der Regel um die gemessen an der Börsenkapitalisierung drei einzigen großen Unternehmen Amgen, Biogen und Immunex. Die Auswahl von interessanten Biotech-Unternehmen, die beispielsweise nach 10 Jahren Forschung die letzte Phase der medizinischen Tests überwunden haben und kurz vor der Einführung des Produktes stehen, scheitert entweder am fehlenden medizinischen Know-how der Fondsmanager oder an der zu niedrigen Kapitalisierung der Biotechnologie-Aktien.

Wir haben uns daher die Biotechnologie-Fonds genau angesehen. Vorsicht ist bei den Health Care- und den Bio-Pharma-Fonds geboten. Hier sind die klassischen Pharma-Aktien Depotschwergewichte. Bei der Integration dieser Fonds in das Gesamtdepot bilden sich dadurch wieder "Klumpenrisiken" und verhindern eine sinnvolle Risikostreuung. Bei nahezu allen "reinen" Biotechnologie-Fonds befinden sich hingegen fast ausschließlich Aktien im Depot, die in keinem Amerika-Fonds oder Globalfonds enthalten sind. Da sich hier keine "Sammelrisiken" bilden, halten wir die Beimischung eines "reinen" Biotechnologie-Fonds in ein Depot für durchaus sinnvoll. Zur Zeit sehen die Fundamentaldaten für die Biotechnologie-Branche äußerst günstig aus. So lag der Anteil von Biotechnologie-Produkten bei den Neuzulassungen von Medikamenten 1985 noch bei 3 %. Im Jahre 2002 werden wahrscheinlich schon fast die Hälfte aller neuen Medikamente aus den Labors der Biotechnologie-Unternehmen stammen. Zur Zeit befinden sich 300 Biotech-Präparate in der letzten Phase der klinischen Prüfung. Dies sind mehr als doppelt so viele als noch im Vorjahr. Das geschätzte Gewinnwachstum der Biotechnologie-Branche liegt in den nächsten fünf Jahren bei ca.30 % pro Jahr und damit dreimal so hoch wie in der Pharma-Branche sowie viermal höher als die Unternehmen des S&P 500. Dabei ist der gesamte börsennotierte Biotechnologie-Sektor der USA zur Zeit niedriger bewertet als das größte US Pharma-Unternehmen Merck. Diese Daten verdeutlichen das enorme Potential der Biotechnologie.