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Häufiger Fondswechsel - "Hin und Her macht die Taschen leer..."

In den letzten Jahren haben sich die Investoren zusehends besser informiert und sind aufmerksamer geworden. Sie wissen, wie gut sich der allgemeine Aktienmarkt entwickelt hat, und haben mitbekommen, wie viel ihre Freunde mit ihren Aktienfonds verdienten. Aufgrund der vielen Informationen, welche die Anleger seit neuem über Fonds erhalten, ist ihnen bewusst geworden, dass nicht alle Aktienfonds, die in dem gleichen Markt agieren, auch wirklich gleich sind und dass es aufgrund der unterschiedlichen Managementstile zu erhebli­chen Renditeunterschieden kommen kann.

Manchmal sind viele Informationen aber nicht unbedingt eine gute Sache. Besonders wenn Anleger an ihrer Fondsauswahl zweifeln. Dies kann zu häufigem und oft unnötigem Austausch von Fonds führen. Und ein häufiger Fondswechsel kann der Gesamtrendite schaden. Eine Studie von Dalbar aus den USA, die im Jahr 1984 begonnen und 1997 wiederholt wurde, hat das Verhalten von amerikanischen Fondsbesitzern analysiert. Das Ergebnis zeigt auf, dass die meisten Anleger trotz des steigenden Informationsflusses über Investmentfonds ihre als langfristiges Investment gekauften Fonds durchschnittlich nur drei Jahre gehalten haben.

Eine in dieser Studie durchgeführt Renditeberechnung hat gezeigt, dass die Renditen der Anleger, die der Strategie "Kaufen und Halten" gefolgt sind, rund fünf mal so hoch waren wie die derjenigen Anleger, die ihre Fonds häufig wechselt haben.

Ein großer Schaden für den Anleger kann bei einem Verkauf der Fondsanteile innerhalb der Spekulationsfrist durch die Steuern auf realisierte Kursgewinne entstehen. Jedes mal, wenn man innerhalb dieser Frist (von z. Zt. einem Jahr) Fondsgewinne realisiert, muss ein Teil des Gewinns an das Finanzamt abgeführt werden. Diese Summe fehlt natürlich bei der Wiederanlage. Die Konsequenz kann beträchtlich sein. Angenommen die Steuerschuld aufgrund des Fondsverkaufs innerhalb der Haltefrist eines Jahres beläuft sich auf 1.500 EURO. Wenn diese 1.500 EURO mit nur 8% im Jahr für die nächsten 20 Jahre investiert waren, waren zum Schluss fast 7.000 EURO daraus geworden. Bei einer Rendite von 15% p.a. wäre der entgangene Gewinn, der durch die Steuerlast von diesem einzigen Jahr verursacht worden wäre, über 24.000 Euro! Wenn man häufiger Fonds wechselt, ist es leicht zu sehen, wie fatal die Auswirkung auf die Gesamtrendite sein kann. Um die durch Steuern verursachten Verluste auszugleichen, müssen die neu gewählten Fonds erheblich mehr Rendite bringen.

Eben gerade die Sorge, dass die ausgewählten Fonds sich nicht so entwickeln, wie sie es sollen, ist ein Grund, weshalb Anleger ihre Fonds wiederholt austauschen. Manchmal ist diese geringere Performance tatsächlich der Fall. Wenn eine "Ware" verglichen wird, wird klar, dass die Hälfte der angebotenen Waren immer überdurchschnittlich und die andere Hälfte unterdurchschnittlich sein wird. Mit Fonds ist es aber nicht einfach, den "Besten" herauszusuchen. Oft vergleichen Anleger Fonds, die komplett unterschiedliche Marktsegmente mit unterschiedlichen Risikokategorien abdecken. In solch einem Fall sollten Anleger zunächst die Marktsegmente auswählen, die für ihr persönliches Depot geeignet sind, und erst danach die Fonds darauf prüfen, ob sie die in das Portfoliokonzept hineinpassen oder nicht.

Der Aktienmarkt ist zyklisch. Kein Sektor bringt jedes Jahr die beste Performance. So kann es kommen, dass der Sektorfonds, der im Vergleich zum allgemeinen Markt eher hinterher hinkt, der beste Fonds seines Sektors in einem Jahr ist, wobei der Sektor selber in dem Jahr eher trage ist. Falls man den Fonds jetzt verkauft und dieser Sektor nächstes Jahr "heiß" ist, hat man diese Renditechance verpasst. Ein ausgeglichenes Depot glättet die Gesamtrendite und verleitet nicht zu schnellem Handeln.

Oft schätzen die Anleger das Marktrisiko falsch ein und investieren in Fonds, deren Risiko höher ist, als die Anleger eigentlich tolerieren können. Oder die Investoren verstehen nicht, dass die relativ niedrige Wertentwicklung eines Investments von einem risikoarmen Marktsegment herstammt, das für den Anleger gar nicht geeignet ist. Finanzberater hören die folgende Aussage all zu oft: "Der Fonds, den ich gekauft habe, wies eine schlechtere Performance als Fonds XYZ aus." Eine detaillierte Nachfrage nach dem Risikograd des Marktes, der vom Fonds XYZ abgedeckt wird, ist hier angebracht. Falls der gekaufte Fonds einen niedrigeren Risikograd hat, könnte er letztendlich doch der bessere Fonds sein. Wie es in den letzten gut zu beobachten war, bedeutet ein höherer Risikograd größere Verluste, wenn ein Sektor oder der Gesamtmarkt fällt.

Ein weiterer Faktor, der Anleger zu häufigem Fondswechsel verleitet, ist die Veröffentlichung von "Top Ten Fonds-Listen" von immer mehr Organisationen. Investoren müssen begreifen, dass diese Listen Performancedaten Vergangenheit unter spezifischen Marktbedingungen widerspiegeln. Laut der Ratingagentur Morningstar die "Top Ten Fonds" häufig ihre Stellen unter den besten Fonds nicht halten. Die Marktbewegungen können aus dem "Top-Fonds" von diesem Jahr den ,;Verlierer" vom nächsten Jahr machen. Dazu werden die "Top-Fonds" normalerweise mit neuem Geld überschüttet. Diese Flut von neu anzulegenden Mitteln erschwert die Arbeit eines Fondsmanagers und kann den Fonds soweit aufblähen, dass er nicht mehr optimal gemanagt werde kann, Investoren, die von den hohen Renditen dieser Fonds aus der Vergangenheit ausgehen, unterschätzen oft das Verlustrisiko und kaufen nahe der Kursspitze. Wenn der Fonds doch fallen sollte, sind viele Anleger nicht darauf vorbereitet und verkaufen enttäuscht ihre Anteile! was den Verlust realisiert.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Firma Pioneer, die über einen Zeitraum von 20 Jahren in der Zeit von 1912 –1992 ihren "Hase und Igel" Vergleich durchgeführt hat. Bei diesem Vergleich wurde den gesamten Betrachtungszeitraum hindurch für einen Anleger jedes Jahr der Spitzenfonds in der Gruppe der weltweit anlegenden Aktienfonds gekauft, während ein zweiter Anleger über den gesamten Zeitraum hinweg in den Pioneer II Fund investiert war. Der Anleger, der jedes Jahr auf den besten Fonds des vergangenen Jahres setzte, erzielte eine Rendite von 855,71 %, während der Anleger, der bei seiner ursprünglichen Anlageentscheidung geblieben ist, eine Rendite von 1.642,33 % erwirtschaften konnte.

Wie kann man solche Fehler vermeiden? Zuerst sollten alle Anlagen im Rahme eines langfristigen Finanzplanes getätigt werden. Die persönliche Risikotoleranz ist unter anderem davon abhängig, wie lange das Geld investiert bleiben kann. Geld, das kurzfristig benötigt wird, sollte nur in risikoarme Anlagen investiert werden. Der nächste Schritt ist eine klare Definition der Vermögensaufteilung, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Diversifikation verbessert die langfristige Gesamtrendite und macht die Versuche, den Markt zu timen, überflüssig. Studien haben bewiesen, dass die richtige Vermögensaufteilung einen signifikanteren Beitrag zum langfristigen Anlageerfolg leistet als die Auswahl der "Top Fonds".

Man sollte sich Zeit nehmen, um eine Finanzstrategie zu planen. Diese Aufgabe ist am besten gemeinsam mit einem qualifizierten Finanzberater zu lösen. Falls der Verdacht aufkommt, dass ein Fonds sich nicht so gut wie erwartet entwickelt, sollten die konkreten Erwartungen noch einmal genannt und mit dem bisher erreichtem Ergebnis verglichen werden, bevor der Fonds ausgetauscht wird. Bei näherem Hinschauen kann der Verdacht oft beseitigt werden. Die steuerlichen Konsequenzen müssen vor dem Fondsverkauf bedacht werden, Manchmal ist es die beste Alternative, das alte Depot zu behalten, und neu anzulegende Gelder anderweitig einzusetzen. So kann man die Vermögensaufteilung ändern, ohne unnötige Verkaufe zu tätigen. Das Risiko und Kurspotential eines Depots kann durch den Zukauf eines Sektorenfonds oder Fonds einer höheren Risikoklasse erhöht werden, ohne alles verkaufen zu müssen, um einen risikoreichen Fonds zu erwerben. Risiko in kleinen Mengen kann durchaus strategisch sinnvoller sein als in großen Mengen.

Zum Schluss sollte man sich nicht über die Anlagestrategie seines Nachbarn sorgen. Anlegerziele sind sehr persönlich und ein hektischer Fondswechsel, um "auf dem neuesten Stand" des Nachbarn zu bleiben, wird den eigenen Anlagezielen höchstwahrscheinlich nicht dienen und nur weitere Hindernisse auf dem Weg zum eigenen Vermögen aufstellen.